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Durchfall im Sommer: Ursachen, Hausmittel, wann zum Arzt

Gesundheit Stand: Redaktion Apothekenkurier

Durchfall im Sommer geht meist auf Keime in ungekühlten Lebensmitteln zurück und klingt innerhalb weniger Tage ab. Wichtigste Sofortmaßnahme: viel trinken und Salze ersetzen. Bessert sich nichts nach 48 Stunden, gehört der Fall in die Praxis.

Gemüse wird am Spülbecken gewaschen, Küchenhygiene schützt vor Durchfall im Sommer

Durchfall im Sommer hat meist einen einfachen Grund: Bei Wärme vermehren sich Keime wie Salmonellen in ungekühlten Lebensmitteln sehr schnell, und in der Reisezeit kommen fremde Erreger hinzu. Das Wichtigste zuerst: Trinken Sie viel, ersetzen Sie die verlorenen Salze, am besten mit einer Elektrolytlösung aus der Apotheke, und essen Sie leichte Kost mit ausreichend Salz.

Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenbereichs Gesundheit & Ernährung.

Warum gibt es Durchfall im Sommer häufiger?

Weil Bakterien Wärme lieben. Salmonellen vermehren sich laut infektionsschutz.de vor allem zwischen 10 und 47 Grad Celsius, also genau in dem Bereich, den ein Picknickkorb, ein Grillbuffet oder ein heißer Kofferraum bietet. Campylobacter-Infektionen treten in Europa ebenfalls überwiegend in der warmen Jahreszeit auf.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt, dass sich Salmonellen und andere Keime an warmen Nachmittagen und Abenden explosionsartig vermehren können. Besonders empfindlich sind Kartoffelsalat mit Mayonnaise aus rohem Ei, Desserts mit rohen Eiern, Salate, kalter Braten und Bouletten. Man sieht und riecht die Keime nicht. Der zweite Sommerfaktor ist die Reisezeit mit ungewohnten Erregern und fremdem Trinkwasser.

Checkliste Küchenhygiene im Sommer

Welche Erreger stecken dahinter (Salmonellen, Campylobacter, Noroviren)?

In Deutschland sind laut IQWiG vor allem Campylobacter und Salmonellen für bakterielle Magen-Darm-Infekte verantwortlich, Noroviren für die meisten viralen.

Salmonellen stecken vor allem in rohen oder nicht durchgegarten Eiern und Eierspeisen, in rohem Fleisch, Hackfleisch, Tatar und Rohwürsten wie Mettwurst. Die Beschwerden beginnen 6 bis 72 Stunden nach der Ansteckung, meist nach 12 bis 36 Stunden. Einfrieren tötet die Keime nicht. Sicher abgetötet sind sie laut infektionsschutz.de erst, wenn das Lebensmittel auch im Inneren mindestens 10 Minuten lang über 70 Grad Celsius heiß war.

Campylobacter ist der häufigste bakterielle Durchfallerreger in Deutschland. Hauptquelle ist nicht durchgegartes Geflügel, dazu kommen Rohmilch, rohes Hackfleisch und unzureichend gereinigte Schneidebretter. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 2 bis 5 Tage, die Erkrankung dauert meist bis zu einer Woche.

Noroviren sind eigentlich Winterkeime, die meisten Erkrankungen fallen auf Oktober bis März. Sie werden aber auch über rohe Lebensmittel wie Salate, Beeren und Muscheln sowie über verunreinigtes Wasser übertragen. Die Beschwerden beginnen 6 Stunden bis 2 Tage nach der Ansteckung und klingen meist nach 1 bis 2 Tagen ab. Antibiotika wirken gegen Noroviren nicht.

Was sind Symptome einer Lebensmittelvergiftung?

Typisch ist ein plötzlicher Beginn mit Durchfall, Bauchschmerzen und Krämpfen, oft mit Übelkeit und Erbrechen. Was umgangssprachlich Lebensmittelvergiftung heißt, ist meist eine Infektion mit Salmonellen oder Campylobacter.

Bei Salmonellen kommen laut infektionsschutz.de häufig Kopfschmerzen und leichtes Fieber dazu, die Beschwerden halten oft mehrere Tage an und klingen von selbst ab. Campylobacter beginnt häufig mit Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, bevor heftige Bauchkrämpfe und Durchfall folgen, der breiig, wässrig oder blutig sein kann. Noroviren lösen meist schwallartiges Erbrechen mit heftigem Durchfall aus. Von Durchfall sprechen Fachleute, wenn innerhalb von 24 Stunden mindestens 3 sehr weiche oder flüssige Stühle auftreten. Das eigentliche Problem ist bei allen Erregern der Verlust von Wasser und Salzen.

Welche Hausmittel helfen bei Durchfall?

Das wichtigste Hausmittel ist Flüssigkeit mit Salz und etwas Zucker. Alles andere ist laut IQWiG entweder nicht ausreichend untersucht oder verkürzt den Durchfall wahrscheinlich nicht.

Für Kleinkinder, ältere Menschen und alle mit starkem Durchfall empfiehlt gesundheitsinformation.de eine fertige Elektrolyt-Glukose-Lösung aus der Apotheke mit Salzen, Mineralstoffen und Traubenzucker im passenden Verhältnis. Ist keine erhältlich, etwa auf Reisen, nennt das IQWiG einen Ersatz zum Selbermischen: 4 Teelöffel Zucker, einen Dreiviertel-Teelöffel Kochsalz und ein Glas abgepackten Orangensaft in 1 Liter abgepacktes oder abgekochtes Wasser rühren. Auf Reisen rät aponet.de nach Angaben des Tropeninstituts zu einem Viertelliter Flüssigkeit pro Stunde, etwa Mineralwasser, Saftschorle oder heiße Brühe.

Mittel, die den Darm ruhigstellen, bremsen den Durchfall nur vorübergehend und heilen nicht. Erwachsene sollten sie laut aponet.de ohne Rücksprache mit der Arztpraxis höchstens 2 Tage einnehmen, für Kinder unter 12 Jahren sind sie nicht geeignet. Zu Hefepräparaten und Kohletabletten fehlen laut IQWiG aussagekräftige Studien, Probiotika verkürzen den Durchfall wahrscheinlich nicht.

Was essen bei Durchfall?

Leicht verdauliche Kost mit ausreichend Salz, in kleinen Portionen. Hungern müssen Sie nicht, aber Fettiges, stark Gewürztes und Alkohol lassen viele in den ersten Tagen lieber weg.

Als bewährte Schonkost nennen IQWiG und aponet.de Zwieback, Weißbrot, Haferschleim, Reis, Kartoffeln, Banane, geriebenen Apfel und Salzstangen. Gesüßter Tee mit salzigem Gebäck liefert gleichzeitig Flüssigkeit, Zucker und Salz. Ob Sie Kaffee, Säfte und Limonade meiden, ist laut IQWiG eher eine Frage der Verträglichkeit als eine Pflicht. Wer wegen der Hitze ohnehin wenig Appetit hat, findet im Beitrag was essen bei Hitze leichte Gerichte, die auch nach einem Infekt gut vertragen werden. Wie viel Flüssigkeit der Körper an normalen Tagen braucht, erklären wir unter wie viel Wasser am Tag.

Wie beugt man Reisedurchfall vor?

Mit der alten Regel: kochen, schälen oder stehen lassen. In subtropischen und tropischen Ländern rät das IQWiG, rohes, ungeschältes Obst und Gemüse zu meiden, kein Leitungswasser zu trinken und Fisch und Fleisch nur gut durchgegart zu essen.

Aponet.de ergänzt: kein unabgekochtes Leitungswasser, auch nicht zum Zähneputzen, keine Eiswürfel, kein offenes Speiseeis, keine Rohmilch, keine Salate, und Buffets mit lange warm gehaltenen oder kalten Speisen meiden. Hände häufig mit Seife waschen. Das Risiko ist laut aponet.de in Europa sehr gering, höher in Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien. Meist verläuft Reisedurchfall mild und ist nach 3 bis 5 Tagen überstanden. Elektrolytpulver und ein Mittel gegen Durchfall gehören in jedes Gepäck, die komplette Packliste finden Sie in unserer Reiseapotheke-Checkliste.

Wann zum Arzt (konkrete Warnzeichen)?

Spätestens dann, wenn sich der Durchfall nach 48 Stunden nicht bessert oder eines der folgenden Warnzeichen auftritt. Bei Schwindel und Kreislaufproblemen ist laut IQWiG rasche ärztliche Hilfe nötig, weil sie auf einen großen Flüssigkeits- und Salzverlust hinweisen.

WarnzeichenWas dahinterstecken kann
Keine Besserung nach 48 StundenHartnäckiger oder bakterieller Infekt, Abklärung nötig
Hohes FieberSchwerer Verlauf, bei Salmonellen selten auch Blutvergiftung
Blut im Stuhl (rot oder schwarz) oder SchleimauflagerungenEntzündung der Darmschleimhaut, etwa durch Campylobacter
Starke BauchschmerzenAbklärung anderer Ursachen
Schwindel, Kreislaufprobleme, schneller Puls oder schnelle AtmungAustrocknung, rasch ärztliche Hilfe
Dunkler Urin oder kein Harndrang, trockene Lippen und Zunge, eingesunkene Augen, stehende HautfalteDeutlicher Flüssigkeitsmangel
Durchfall länger als 2 bis 3 Tage bei Säuglingen, Kleinkindern, Schwangeren, Älteren oder GeschwächtenRisikogruppen verlieren schnell gefährlich viel Flüssigkeit

Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, ältere Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten laut infektionsschutz.de frühzeitig ärztlich vorgestellt werden. Nach einer Fernreise erwähnen Sie den Aufenthalt in der Praxis, weil dann auch an Erreger wie Shigellen oder Parasiten gedacht werden muss.

Wann zur Apotheke oder in die Praxis?

Für die ersten Stunden ist die Apotheke die richtige Anlaufstelle: Dort bekommen Sie Elektrolytlösungen in der passenden Dosierung für Kinder und Erwachsene und eine Beratung, welches Mittel zu Ihren anderen Medikamenten passt. In die Praxis gehört jeder Durchfall mit einem Warnzeichen aus der Tabelle. Dauert der Durchfall länger als 2 Wochen, gilt er als anhaltend und sollte in jedem Fall abgeklärt werden.

Quellen

  1. Salmonellen, Erregersteckbrief, infektionsschutz.de (BZgA)
  2. Campylobacter, Erregersteckbrief, infektionsschutz.de (BZgA)
  3. Noroviren, Erregersteckbrief, infektionsschutz.de (BZgA)
  4. Durchfall, gesundheitsinformation.de (IQWiG)
  5. Korrektes Kühlen von Lebensmitteln im Privathaushalt, Bundesinstitut für Risikobewertung (2023)
  6. Grillfest ohne Reue: Auf Hygiene und die richtige Zubereitung achten, Bundesinstitut für Risikobewertung (2007)
  7. Reisedurchfall vermeiden: Diese Tipps schützen im Urlaub, aponet.de, Portal der Apothekerverbände (2025)

Redaktion Apothekenkurier · Rubrik Gesundheit · Stand 3. November 2026. Die Beiträge ersetzen keine ärztliche Beratung.

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