Bei Hitze weiten sich die Gefäße, der Blutdruck kann fallen und das Herz muss schneller schlagen; Herzkranke und Menschen ab 65 Jahren sind besonders gefährdet. Das Robert Koch-Institut schätzt für 2026 rund 16.000 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland.
Kreislaufprobleme bei Hitze entstehen, weil der Körper Wärme über die Haut abgibt: Die Gefäße weiten sich, Blut verlagert sich an die Oberfläche, der Blutdruck kann fallen und das Herz muss schneller und kräftiger schlagen. Mit dem Schweiß gehen Wasser und Salze verloren. Ein vorgeschädigtes Herz hat laut Deutscher Herzstiftung kleinere Reserven, um das auszugleichen.
Warum belastet Hitze Herz und Kreislauf?
Weil Kühlung Kreislaufarbeit ist. Der Körper hält seine Kerntemperatur bei etwa 37 Grad; wird es heiß, stellt er die Blutgefäße in der Haut weit, damit Wärme abgegeben werden kann. Dem Herzen steht dadurch kurzfristig weniger Füllung zur Verfügung, es muss schneller und kräftiger schlagen, um Gehirn, Nieren und Muskeln weiter zu versorgen. Gleichzeitig verliert der Körper über den Schweiß Wasser und Salze. Wird das nicht ausgeglichen, nimmt das Blutvolumen ab, das Blut wird zähflüssiger, der Blutdruck sinkt und der Kreislauf wird instabil.
Die Deutsche Herzstiftung beschreibt, dass Hitze den Blutdruck in beide Richtungen verschieben kann: Als Stressreiz treibt sie ihn hoch, über die Gefäßweitung lässt sie ihn deutlich abfallen. Ein zu niedriger Druck führt zu Schwindel, Schwäche, Ohnmacht oder Herzrhythmusstörungen; bei verengten Herzkranzgefäßen kann der schnellere Puls Brustenge, Luftnot oder Rhythmusstörungen auslösen. Das Bundesgesundheitsministerium nennt auf hitzeservice.de ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, das Robert Koch-Institut zählt Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den Leiden, die Hitze verschlimmert.
Wie ernst das ist, zeigen die Zahlen: Das RKI schätzt für 2026 bis zur Kalenderwoche 37 rund 16.000 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland. Der größte Anteil entfällt auf Menschen ab 75 Jahren, und in den meisten Fällen trifft die Hitze auf bestehende Vorerkrankungen.
Welche Symptome sind Warnzeichen (Hitzeerschöpfung, Hitzschlag)?
Erste Zeichen sind unspezifisch: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schwindel. Gefährlich wird es, wenn der Körper die Temperatur nicht mehr halten kann. Die Warnzeichen laut IQWiG, Deutscher Herzstiftung und Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG):
Warnzeichen
Was dahinterstecken kann
Sofortmaßnahme
Muskelkrämpfe, Schwäche, Schwindel, starker Durst, Übelkeit, feuchtwarme oder blassgraue Haut, normale bis leicht erhöhte Temperatur
Hitzeerschöpfung
Kühler Ort, hinlegen, Kleidung lockern, kühle Getränke, Kopf und Nacken kühlen; keine Besserung: 116 117
Heiße, trockene Haut ohne Schweiß, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, schneller Puls, Verwirrtheit, getrübtes Bewusstsein
Hitzschlag
Sofort 112, in den Schatten bringen, kühlen, nicht allein lassen
Starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Lichtscheu, steifer Nacken nach Sonne auf dem Kopf
Sonnenstich
Schatten, Kopf erhöht lagern, Kopf und Nacken kühlen; bei Nackensteifigkeit oder Bewusstseinstrübung 112
Schwindel beim Aufstehen, Schwarzwerden vor Augen, Herzrasen
Blutdruckabfall, Flüssigkeitsmangel
Hinlegen, trinken, Blutdruck und Puls messen, bei Herzerkrankung Praxis informieren
Brustdruck, Luftnot, Herzrasen, deutlich weniger Urin, zunehmende Schwäche
Überlastung eines kranken Herzens
Anstrengung sofort beenden, noch am selben Tag ärztlich abklären
Beim Hitzschlag steigt die Körperkerntemperatur stark an. Die Deutsche Herzstiftung nennt über 40 Grad als kritische Schwelle und 42 bis 43 Grad als Lebensgefahr. Das BIÖG warnt, dass Warnzeichen auch deutlich später auftreten können.
Was gilt für Blutdruck und Medikamente bei Hitze?
Weiter einnehmen, nichts auf eigene Faust ändern. Die Deutsche Herzstiftung stellt klar: Herz-Kreislauf-Medikamente sollten auch bei Hitze regelmäßig eingenommen werden. Weil hohe Temperaturen besonders bei Entwässerungsmitteln und Blutdrucksenkern die Körperreaktion verändern können, kann eine Anpassung nötig sein, aber nur in Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt. Wer dauerhaft Medikamente nimmt, klärt am besten schon vor dem Sommer, was bei Trinkmenge, Blutdruck-, Puls- und Gewichtskontrollen zu beachten ist.
An heißen Tagen lohnt es sich, Blutdruck und Puls häufiger zu messen. Fallen die Werte auffällig niedrig oder hoch aus, ist der Puls ungewohnt schnell oder unregelmäßig oder kommen Beschwerden hinzu, gehört das in die Praxis. Das Bundesgesundheitsministerium erklärt auf hitzeservice.de, warum Arzneimittel bei Hitze besonders wirken können: Manche verändern den Salzhaushalt, andere hemmen das Schwitzen oder dämpfen das Durstgefühl, und bei Flüssigkeitsmangel kann die Wirkstoffkonzentration im Körper steigen. Das BIÖG nennt unter anderem Betablocker, Entwässerungsmittel, Beruhigungsmittel und bestimmte Antidepressiva als Gruppen, die man vor einer Hitzewelle in Praxis oder Apotheke ansprechen sollte. Auch die Lagerung zählt: Viele Präparate vertragen keine Temperaturen über 25 Grad und dürfen nie im Auto bleiben.
Wie schützen sich ältere Menschen?
Mit Routine statt Durstgefühl. Mit dem Alter lässt laut Deutscher Herzstiftung die Fähigkeit nach, Hitze wahrzunehmen, das Durstempfinden sinkt und der Kreislauf passt sich langsamer an. Das BIÖG empfiehlt Menschen ab 65 Jahren, täglich 2 bis 3 Liter über den Tag verteilt zu trinken, die Tagesmenge morgens abzumessen und bereitzustellen; geeignet sind Wasser, ungesüßte Tees und Saftschorle im Verhältnis 1 zu 3. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen wird die Menge mit der Praxis abgestimmt. Wie sich der persönliche Bedarf berechnen lässt, steht unter wie viel Wasser am Tag.
Die heißeste Zeit, etwa 11 bis 17 Uhr, verbringt man besser drinnen; Einkäufe, Arzttermine und Bewegung gehören in die Morgen- oder Abendstunden. In der Wohnung gelten laut BIÖG tagsüber unter 26 Grad und nachts unter 22 Grad als ideal; ab 32 Grad am Tag oder 24 Grad in der Nacht sollte aktiv gekühlt oder ein kühlerer Ort aufgesucht werden, etwa für 2 bis 3 Stunden in Bibliothek oder Museum. Fenster tagsüber geschlossen und verschattet halten, nur lüften, wenn es draußen kühler ist. Ventilatoren helfen bis etwa 35 Grad und sollten nicht direkt auf eine Person gerichtet sein. Lauwarmes Duschen, Fußbäder und feuchte Tücher im Nacken kühlen sanft; eiskaltes Duschen treibt laut Herzstiftung den Blutdruck hoch und ist für Herzkranke ungeeignet.
Wer viel schwitzt, verliert Kalium, und ein zu niedriger Kaliumwert kann Herzrhythmusstörungen fördern. Leichte, salzhaltige Speisen, Gemüsebrühe und kaliumreiches Obst wie Bananen oder Aprikosen helfen; Kaliumtabletten nur nach Absprache. Mehrere kleine, leichte Mahlzeiten sind bei Hitze besser verträglich, Anregungen dazu finden Sie unter was essen bei Hitze. Im Freien gehören Kopfbedeckung, Sonnenbrille und Creme mit Lichtschutzfaktor 30 oder höher dazu; mehr dazu im Beitrag zum Sonnenschutz. Und: Ältere oder allein lebende Angehörige mindestens einmal täglich anrufen oder besuchen und nach Trinkmenge und Raumtemperatur fragen.
Was hilft sofort, wenn Kreislaufprobleme bei Hitze auftreten?
Raus aus der Hitze, hinlegen, kühlen, trinken. Das BIÖG beschreibt die Erste Hilfe in vier Schritten: die betroffene Person aus der Sonne an einen kühlen Ort bringen, Kleidung öffnen oder ablegen, Kopf, Nacken, Hände und Füße mit feuchten, lauwarmen Tüchern kühlen, dann Wasser oder Saftschorle anbieten, aber nur, wenn die Person bei klarem Bewusstsein ist und nicht erbricht. Bei Schwindel hinlegen.
Das IQWiG ergänzt: kühle, aber nicht eiskalte, alkoholfreie Getränke, bei starkem Schwitzen eine Elektrolytlösung; sich mit kühlem Wasser waschen, aber nicht in kaltes Wasser springen. Bleibt es bei Schwindel, Schwäche oder Übelkeit, hilft außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117. Herzkranke sollten neu auftretende oder zunehmende Beschwerden wie Luftnot, Brustdruck, Herzrasen, ausgeprägten Schwindel oder deutlich weniger Urin noch am selben Tag ärztlich abklären lassen.
Wann ist es ein Notfall (112)?
Sofort den Notruf 112 wählen, wenn eines dieser Zeichen auftritt: Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit, plötzliche Verwirrtheit oder Desorientierung, Krampfanfälle, unstillbares Erbrechen, Nackensteifigkeit, eine Körpertemperatur über 39 Grad, heiße und trockene Haut ohne Schweiß, ein sehr niedriger Blutdruck (systolisch unter 100 mmHg) mit instabilem Kreislauf, schwere Atemnot, Brustschmerz, Lähmungen oder Sprachstörungen. Im Zweifel lieber früher anrufen, denn ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall.
Bis der Rettungsdienst eintrifft: in den Schatten bringen, kühlen, nicht allein lassen. Atmet die Person nicht mehr, beginnt die Herzdruckmassage in der Mitte des Brustkorbs mit 100 bis 120 Kompressionen pro Minute, bis Hilfe übernimmt.
Wann zur Apotheke oder in die Praxis?
In der Apotheke lassen Sie vor der ersten Hitzewelle prüfen, welche Ihrer Medikamente bei Hitze besondere Aufmerksamkeit brauchen und wie sie gelagert werden. In die Praxis gehören auffällige Blutdruck- oder Pulswerte, ein sprunghafter Gewichtsanstieg mit geschwollenen Beinen, anhaltender Schwindel oder jede neue Luftnot. Am besten besprechen Herzkranke schon im Frühjahr, welche Trinkmenge und welche Kontrollen für sie im Sommer gelten. Weitere Beiträge rund um Hitze, Trinken und Ernährung finden Sie im Bereich Gesundheit & Ernährung.
Durchfall im Sommer geht meist auf Keime in ungekühlten Lebensmitteln zurück und klingt innerhalb weniger Tage ab. Wichtigste Sofortmaßnahme: viel trinken und Salze ersetzen. Bessert sich nichts nach 48 Stunden, gehört der Fall in die Praxis.
Leistenschmerz vor dem 45. Lebensjahr beruht häufig auf einem Hüftimpingement oder einer Hüftdysplasie, nicht auf Arthrose. Beides lässt sich oft gelenkerhaltend behandeln, solange der Knorpel noch intakt ist.
Eine Reiseapotheke braucht Schmerz- und Fiebermittel, Mittel gegen Durchfall mit Elektrolyten, Verbandmaterial, Sonnen- und Insektenschutz sowie die eigenen Dauermedikamente, davon laut ABDA etwa ein Drittel mehr als voraussichtlich nötig.